Kurzbeschreibung:

forum historiae iuris

Inbal Steinitz: Die strafrechtliche Rechtsschutzarbeit des Centralvereins gegen den Antisemitismus im Kaiserreich und in der Weimarer Republik


In meiner Dissertation möchte ich die Strafverfahren untersuchen, die im Kaiserreich und in der Weimarer Republik aufgrund antisemitischer Vorfälle vom Centralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens (CV) im Rahmen seiner Rechtsschutzarbeit veranlasst worden sind.
Der CV wurde am 26. März 1893 gegründet und war die erste jüdische Organisation in Deutschland, deren Hauptzweck in der umfassenden Bekämpfung des Antisemitismus bestand. Es entsprach dem Selbstverständnis der Vereinsgründer, unter denen viele Juristen waren, und ihrer liberalen Auffassung vom Rechtsstaat, dass sie den Kampf gegen den Antisemitismus vor allem auf der juristischen Ebene aufnahmen. Indem man sich der Mittel des Rechtsstaates bediente und gegen Antisemiten vor Gericht zog, unterstrich man die Existenz des rechtlich emanzipierten Judentums, das die Antisemiten ja gerade bekämpfen wollten. Die Führung des CV sah im Rechtsschutz das wichtigste Instrument nicht nur zur Defensive gegen den Antisemitismus, sondern auch zur Durchsetzung der vollen Gleichberechtigung.
Juristen erhoben im Namen des CV oder diffamierter jüdischer Bürger Anzeige gegen Antisemiten, antisemitische Organisationen und Institutionen, unterstützten solche Klagen und stellten kostenfrei Anwälte zur Verfügung.
Bei meiner Untersuchung soll nicht wie bisher die Fragestellung nach dem Erfolg bzw. nach der Effektivität der Strafverfahren im Mittelpunkt stehen. Vielmehr soll eine rechtshistorische Einordnung dieser Verfahren, zum einen in die Strafrechtsgeschichte, zum anderen in die Justizgeschichte des Kaiserreichs und der Weimarer Republik erfolgen. Schließlich soll eine Verbindung der gewonnenen rechtshistorischen Erkenntnisse mit der neueren Antisemitismusforschung hergestellt werden.

Zurück zur Liste der Forschungsvorhaben


forum historiae iuris
Betreut vom FHI-Team

Diese Seite ist vom 19. Januar 2004