Sebastian Berg: Die Stipulation in der Rechtsprechung des Reichsgerichts
Die Rechtsfigur der Stipulation gilt als eine der bedeutendsten
Vertragsformen des römischen Rechts und kann als Mutter aller
Verträgebezeichnet werden. Dennoch ist sie nach der herrschenden
Lehrmeinung nicht rezipiert worden und soll nie eine praktische Anwendung
in der neuzeitlichen Rechtsprechung gefunden haben. Allerdings ist jene
Rechtsprechung bislang unerforscht, so dass sich die Arbeit einigen
Entscheidungen des Reichsgerichts widmet, die es eigentlich gar nicht
geben dürfte. Denn zwischen 1879 und 1901 finden sich 84 Urteile
mit Bezug zu einer Stipulation. Ziel der Arbeit ist es,
diese Entscheidungen auf eine mögliche Systematik zu untersuchen
und unter Berücksichtigung der zeitgenössischen Literatur
zu klären, ob die Verwendung des Rechtsbegriffs auf einem schlichten
Zufall oder einer synonymen Begrifflichkeit beruhte, oder ob die Richter
des Reichsgerichts eine bestimmte Intention mit der Bezeichnung verbanden.
Sollte sich die letzte Variante als denkbar erweisen, gilt es die These
der fehlenden Rezeption zumindest in ihrer Absolutheit in Frage zu stellen.
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