Kurzbeschreibung:

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Matthias Doms:
Die Sache Spilcker gegen Krohn oder: Das Erbrecht der halben Geburth.


Die Dissertation hat einen Lübecker Erbrechtsstreit aus der Mitte des 18. Jh. zum Gegenstand, der im Herbst 1744 mit Klageerhebung vor dem Lübecker Rat begann und nach Appellation der Klägerin gegen die zunächst ergangene Entscheidung des Lübecker Obergerichts mit Urteil des Reichskammergerichts in Wetzlar im Frühjahr 1756 endete.

Parteien des Rechtsstreits waren die beiden einzigen noch lebenden Verwandten der im Frühjahr 1744 verstorbenen Catharina Margaretha Haecks, der Ehefrau des Lübecker Ratsherrn Daniel Haecks. Während jedoch der Beklagte, der Lübecker Bürgermeister Johann Adolph Krohn, ein vollbürtiger Bruder des Vaters der Verstorbenen war, war die Klägerin, Anna Maria von Spilcker, die den Prozeß von ihrem Schwiegersohn, dem Celler Oberappellationsgerichtsrat Johann Christian Backmeister, führen ließ, lediglich eine Halbschwester der Mutter der Verstorbenen. Unter Berufung auf die insoweit lediglich "halbe Geburth" der Klägerin beanspruchte der Beklagte den Nachlaß für sich alleine, wodurch sich die Klägerin zur Erhebung der Erbschaftsklage veranlaßt sah.

Die Dissertation beschäftigt sich ausführlich mit dem materiell-rechtlichen Aspekt dieses historischen Rechtsstreits, wobei sowohl die rechtliche Argumentation der Parteien als auch die zeitgenössische Literatur zum "Erbrecht der halben Geburth" sowie die dem Urteil des Reichskammergerichts vorgelagerte Relation des Reichskammergerichtsassessors Johann Wilhelm Summermann erörtert werden. Besonderes Gewicht legt die Dissertation dabei auf die Darstellung des unheimlich breiten Spektrums an zitierten Rechtsquellen aus mehreren Jahrhunderten sowie auf die Frage, ob in fraglichem Rechtsstreit das Recht der Stadt Lübeck oder rezipiertes römisches Recht anzuwenden war. Damit beschäftigt sich die Dissertation zugleich mit einem ganz zentralen Thema der Privatrechtsgeschichte der Neuzeit: dem Verhältnis von einheimischem und römischem Recht.


Doktorvater: Prof. Dr. Peter Oestmann (Münster)


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Diese Seite ist vom 30. April, 2007