Michael Schieder : Heinrich (von) Friedberg (1813-1895) Leben und
Werk.
Ein fast vergessener Reformer des Straf- und Strafprozessrechts
In der rechtshistorischen Literatur fehlt bisher eine umfassende Darstellung
von Leben und Werk des ersten 1. Staatssekretärs im Reichsjustizamt
("Reichsjustizministerium") und ehemaligen preußischen
Justizministers Heinrich (von) Friedberg. Diese Lücke soll mit der
Arbeit geschlossen werden, wobei neben den bisher bekannten Quellen sein
umfassender handschriftlicher autobiographischer Nachlass ausgewertet
wird. Dabei wird ein besonderer Schwerpunkt auf der Untersuchung des Wirkens
Friedbergs im Bereich des Straf- und Strafprozessrechts und seines Einflusses
auf die Entwicklung einer modernen reformierten Strafrechtspflege sowie
der Herstellung der Rechtseinheit in Deutschland auf diesem Gebiet liegen,
da Friedberg seit seinem Eintritt in den preußischen Justizdienst
an allen diesbezüglichen Reformgesetzen Preußens und später
des Deutschen Reiches von 1870/71, im Rahmen der Reichsjustizgesetze,
maßgeblich beteiligt war. Es soll gezeigt werden, dass Friedberg
auf dem Gebiet der Strafrechtspflege innerhalb der preußischen und
deutschen Justizverwaltung ein wichtiges Bindeglied zwischen den politischen
und wissenschaftlichen Verfechtern eines reformierten Straf- und Strafprozessrechts
war, der es verstanden hat durch seine praktischen Arbeiten den Ideen
und Erfordernissen moderner Straf- und Strafprozessgesetzgebung zum Durchbruch
zu verhelfen. Weiterhin werden seine Mitwirkung auf anderen Gebieten der
Reformgesetzgebung des 19. Jahrhunderts in Preußen und in Deutschland,
und hier sein Einfluss als 1. Staatssekretär des Reichsjustizamtes
auf die Reichsjustizgesetze, die außerhalb des Straf- und Strafprozessrechts
liegen, kurz umrissen. Daneben soll der gesamte Lebens- insbesondere sein
Karriereweg beschrieben werden, der insofern bemerkenswert ist, weil es
Friedberg nicht nur gelang vom Hilfsarbeiter im preußischen Justizministerium
sondern auch als erstem Juristen jüdischer Herkunft in Preußen
in höchste Justiz- und Staatsämter vorzudringen.
Zurück zur Liste der Forschungsvorhaben
|