Ulrike Seifert: Das Arzt-Patienten-Verhältnis in der DDR - Anspruch
und Wirklichkeit
Die Arbeit widmet sich dem Arzt-Patienten-Verhältnis in seiner
Entwicklung zum medizinischen Betreuungsverhältnis als Bestandteil
der Zivilrechtskultur der DDR. Sie soll durch die Betrachtung der normativen
Grundlagen und ihrer Behandlung in Rechtsprechung und Schrifttum herausfinden,
ob und wie konkret die Beziehung zwischen Arzt und Patient durch das
sozialistische Zivilrecht als Instrument staatlicher Leitung zur Gestaltung
der kulturellen und sozialen Entwicklung der DDR geprägt wurde
und der politisch-ideologischen Erziehung der Beteiligten zu neuen sozialistischen
Arzt- und Patientenpersönlichkeiten und zu politisch gewünschten
Verhaltensweisen dienen sollte. Auf die verschienenen Standpunkte zur
dogmatischen Einordnung des medizinischen Betreuungs-verhältnisses
im Rahmen der Kodifizierung des ZGB wird eingegangen werden; die Rechte
und Pflichten des Arztes und des Patienten werden nach dem Einfluss
der Konfliktnegierung und -ver-meidung, des Verständnisses des
subjektiven Rechts sowie des Primats der Einheit von Moral und Recht
untersucht, um festzustellen, inwieweit die medizinische Betreuung des
Einzelnen als unent-geltliche Inanspruchnahme sog. gesellschaftlicher
Fonds zu einer gesellschaftlichen Angelegenheit gemacht worden ist und
das Persönlichkeit des Bürgers einem Ideal der Volksgemeinschaft,
gesell-schaftlichen, klassenmäßigen oder kollektiven Interessen
untergeordnet war.
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