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Zeitschrift Debatten FHI-Debatte: Rechtsgeschichte und künstliche Intelligenz
Herausgegeben von: Giulio Francesco Biaggini*
Elisabetta Fiocchi Malaspina*
Rechtsgeschichte und künstliche Intelligenz
Die Systeme der künstlichen Intelligenz haben in ihren vielfältigen Erscheinungsformen gesellschaftliche und wirtschaftliche Prozesse bereits tiefgreifend verändert. Diese Entwicklungen machen weder vor dem Recht als Anwendungsfeld der KI noch dem Recht als Regulator von KI und auch nicht vor dem Spannungsfeld von Rechtswissenschaft und KI halt. Gerade in der Rechtsgeschichte eröffnet die KI neue Perspektiven in der Forschung. Vor dem Hintergrund der aktuellen KI-Debatten stehen wir – vielleicht mehr denn je – vor einer Belastungsprobe des Selbstverständnisses der rechtshistorischen Forschung.
Der vorliegende digitale Raum zur Debatte über Rechtsgeschichte und künstliche Intelligenz soll Anlass bieten, die Rolle der Rechtsgeschichte im Diskurs von KI und Recht auszuloten. Einige heute weitgehend unerörterte (Leit-)Fragen können für diese Debatte einen Ausgangspunkt bilden: Was sind die Möglichkeiten und wo liegen die Grenzen der Anwendung von KI als Methode in der rechtshistorischen Forschung? Inwiefern kommt der Rechtsgeschichte eine Vermittlerrolle im Diskurs von KI und Recht zu? Bewirken die durch KI geförderte Interdisziplinarität von Forschungsvorhaben (Rechtsgeschichte trifft auf Computerlinguistik, Statistik, Sprachforschung, etc.) sowie Forschung mit KI und Forschung über KI eine Pluralisierung der Rechtsgeschichte? Oder bedeuten für spezifische Anwendungsbereiche trainierte KI und darauf gerichtete partikulare Fragestellungen vielmehr eine Verästelung der Forschung in weitere Teilbereiche? Und kann der rechtshistorische Blick auf die aktuellen KI-Debatten helfen, einen regulatorischen Rahmen zu finden, der ein Equilibrium zwischen Regulationen und Innovationen fördert?
Ferner steht die Frage im Raum, wie die Rechtsgeschichte der Zukunft aussieht, die auf heutige KI-basierte Quellen zurückgreifen muss. Könnte die Geschichtserzählung künftig in einer KI-nutzenden Welt vermehrt auf die Domäne mündlicher Tradition verlagert sein? Was könnte diese etwaige «Rückkehr» zur Mündlichkeit für die Quellenlage und die Wissenschaft der Zukunft bedeuten?
Der Debatte dieser und weiterer Fragen zu Rechtsgeschichte und KI soll hier Raum geboten werden.
